Endspurt im NSV-Grand-Prix 2025: Das 11. Andreas-Schaar-Gedenkturnier in Nordhorn

Letztes Wochenende fand das letzte Turnier der NSV-Grand-Prix-Serie 2025 in Nordhorn statt: Das 11. Andreas-Schaar-Gedenkturnier. Alle Ergebnisse finden sich auf d4-d5.net. Besonders brisant war das Turnier für Gregory im B-Open und Marius im A-Open, denn beide hatten aufgrund ihrer bisherigen guten Ergebnisse bei den Grand-Pix-Turnieren in Braunschweig, Bad Pyrmont und Lingen realistische Chancen auf den Gesamtsieg der Grand-Prix-Jahreswertung in ihrer jeweiligen Ratinggruppe.

Zum Bericht des NSV, Fotos von Henning Lüders und Fotos von Fabian Stotyn.

B-Open

In Gruppe B spielten die meisten unserer Teilnehmer. Gregory zählte sogar zum erweiterten Favoritenkreis. Am Start waren: Gregory, Felix, Myron, David, Marko, Gregor, Till, Tom und ich (Hans-Joachim). Leider musste Tom bereits am Samstag krank absagen. Für ihn spielte Luka weiter, der ab Runde 2 ins Turnier einstieg.

Das Los führte in Runde 1 Gregory und mich ans Brett. Danach konnte ich ein paar Fotos machen. Felix und David ließen hier mit vollkommen unerwarteten Ergebnissen aufhorchen. Felix bezwang den letztendlich Vierten, während David im längsten Spiel des Abends gegen die spätere Zweitplatzierte, wie das bei Turmendspielen häufig vorkommt, ein Remis erreichte. Alle anderen verloren nicht unerwartet.

Gut ausgeschlafen bescherte der Samstag uns die ersten Erfolge. Felix erkämpfte sich ebenso wie Gregory ein Remis. Während Felix gegen einen um ca. 400 DWZ-Punkte höher bewerteten Gegner punktete, ließ Gregory bereits hier den ersten halben Punkt liegen. Myron und auch ich hatten dann jeweils einen Punkt auf dem Konto. Leider gab es für unsere junge Garde auch in Runde 2 trotz teilweise starken Spielen nichts zu holen.

In Runde 3 trafen gleich mehrere Meppener aufeinander. Gregory bezwang Felix sicher und auch Gregor setzte sich souverän gegen Luka durch. Myron lieferte sich ein spannendes Match mit einem um 200 DWZ-Punkte höher bewerteten Gegner. Am Ende konnte er einen Bauern in eine Dame umwandeln und siegte sicher. Ich musste drei Mattdrohungen parieren, bevor ich meine Gegnerin selbst Matt setzen konnte. Unseren sehr jungen Teilnehmern musste ich dann leider noch einmal nachdrücklich klarmachen, dass dieses Turnier kein Schnellschachturnier ist. 50 Züge in nur 45 Minuten sind jedenfalls im Normalschach unmöglich und damit sicherlich auch für unerwartete Niederlagen verantwortlich!

Das schien am Sonntag in Runde 4 jedem klar geworden zu sein. Die bislang sieglosen Marko und Luka fuhren die ersten Punkte ein. Gregory erkämpfte sich sein zweites Remis und konnte damit wohl alle Hoffnungen auf einen vorderen Platz begraben. Myron und ich spielten nebeneinander und verloren nach langem Kampf leider, wie alle anderen, unsere Spiele. Sein Gegner meinte nachher zu mir, der Junge sei wohl stark unterbewertet. Für die letzte Runde hatten sich alle noch einmal viel vorgenommen. Felix, Marko, Luka und Gregor konnten sich nochmals über je einen Punkt freuen. Myron erkämpfte sich noch einen halben Zähler durch ein schönes Remis.

Quelle: Henning Lüders (mehr Bilder über den Link in der Einleitung)

Gregory verlor die letzte Runde leider, die sein Turnier hätte krönen können. Ein Sieg hätte aufgrund seiner guten Buchholz für Platz 2 gereicht. Das dicke Trostpflaster: Er bekommt Punkte in der Grand-Prix-Wertung und sollte damit den NSV-Grand-Prix 2025 unter 1400 DWZ gewonnen haben! Ganz sicher wissen wir es aber erst bei der Veröffentlichung der Wertung durch den Niedersächsischen Schachverband. Inzwischen hat er aufgrund seines starken Schachjahres über 1400 DWZ, aber es gilt die Zahl vom ersten Grand-Prix-Turnier.

Unsere Punktausbeute: Gregory 3, Felix und Myron 2½, Gregor, Marko, Luka uns ich 2, David 1½, Till 1.

Wir sehen nun noch gespannt der DWZ-Auswertung entgegen. Die Topscorer dürften wohl Felix und Myron sein.

Die Eltern unserer Jugendlichen und Kinder haben wiederum viel Zeit in Fahrten und Betreuung investiert. Dafür bedanken wir uns sehr herzlich.

A-Open

Ich (Marius) ging dieses Jahr als einziger Meppener im A-Open an den Start. Für mich war das Ziel, genau wie Gregory den Grand-Prix in meiner Wertungsgruppe (unter 2000) zu gewinnen. Vor dem Turnier stand ich mit 12 Punkten an der Spitze. Um meinen Platz dort zu verteidigen, musste ich möglichst im Turnier vor Daniel Tietje vom Hagener SV landen, der mir in der Grand-Prix Wertung mit 10 Punkten an den Hacken klebte. Zudem hatten Michael Rosin (SK Nordhorn-Blanke) mit 6 Punkten und einige Spieler mit 4 Punkten noch die theoretische Möglichkeit an mir vorbeizuziehen, wenn ich ein wirklich schlechtes Turnier spiele.

Die erste Runde gegen einen schwächeren Gegner konnte ich souverän gewinnen, mit Weiß bin ich typischerweise sehr stark und konnte in der italienischen Partie meinen Gegner direkt unter Druck setzen, nachdem er sich zu langsam entwickelte.

In Runde 2 spielte ich mit Schwarz etwas destruktiver, aber am Ende stand ein gutes Remis gegen einen 2080er Gegner. Runde 3 ging aufgrund sehr schlechten Zeitmanagements verloren, aber immerhin konnte ich mich lange gut halten und einen 2170er durchaus vor Probleme stellen. In Zeitnot ging ich dann leider Matt.

Runde 4 spielte ich gegen den Speller Schachfreund Stefan Kewe mit ca. 200 DWZ weniger als ich. Hier hatte ich mir vorgenommen, in der Damenindischen Verteidigung die Partie möglichst offensiv anzulegen und mit Schwarz voll auf Sieg zu spielen. Das klappte auch, ich riss seine Königsstellung auf und in der Diagrammstellung griff er mit Le2? endgültig fehl. Siehst du, wie ich mit Schwarz gewann? (zur Lösung)

Richtig wäre stattdessen nur Tg1 gewesen, da Weiß nach dem opfern des f3-Bauern ein durchaus praktische Kompensation über die g-Linie bekommt.

Vor der letzten Runde war meine Ausgangslage für den Sieg der Grand-Prix-Wertung nicht einfach, denn Daniel Tiedje und Michael Rosin lagen beide einen halben Punkt vor mir. Zudem spielte ich gegen eine äußerst talentierte 14-jährige Niederländerin mit 1815 Elo, die jedoch bis zu einer schwachen Jugend-WM im September sogar über 2000 Elo hatte. Also definitiv kein leichtes Los. Aber die Eröffnungswahl kam mir sehr gelegen: Die Najdorf-Variante in der Sizilianischen Verteidigung. Meine Gegnerin spielte eine falsche Zugreihnfolge, deren Widerlegung ich zum Glück kannte: Nach e5!! ist diese Stellung für Schwarz nicht zu verteidigen. Weiß bekommt sehr starken Angriff, aber darf nicht davor zurückschrecken, auch irgendwann eine Figur reinzuopfern:

Damit landete ich bei 3½ Punkten, ein sehr solides Ergebnis. Da die Konkurrenz unter 2000 DWZ in der letzten Runde größtenteils nicht punktete, reichte das Turnierergebnis für mich nicht nur zum Sieg im NSV-Grand-Prix, sondern ich gewann noch dazu den 2. Ratingpreis für unter 2000 im Turnier!